Intel und NVIDIA - lange Zeit Rivalen - haben eine strategische Allianz geschmiedet, die die gesamte Technologielandschaft in Aufruhr versetzt hat. Am 18. September 2025 gaben die beiden Giganten eine bahnbrechende Intel-NVIDIA-Partnerschaft bekannt, die die Zukunft der Rechenzentren neu definieren soll. Dabei handelt es sich nicht nur um einen weiteren Geschäftsabschluss, sondern um einen grundlegenden Wandel, der darauf abzielt, die explosiven Anforderungen von KI, maschinellem Lernen und High Performance Computing (HPC) zu erfüllen. Für die Hosting- und Cloud-Service-Branche signalisiert diese Allianz eine neue Ära nie dagewesener Serverleistung und Effizienz.
Vom erbitterten Wettbewerb zur strategischen Zusammenarbeit
Jahrzehntelang waren Intel und NVIDIA Konkurrenten. Intel dominierte den CPU-Markt, während NVIDIA den GPU-Markt anführte - vor allem für KI- und HPC-Server-Workloads. Diese Rivalität trieb die Innovation voran, führte aber auch zu einem fragmentierten Rechenzentrums-Ökosystem, das Betreiber dazu zwang, getrennte CPU- und GPU-Technologie-Stacks zu verwalten.
Der Auslöser für den Wandel ist einfach: die steigende Nachfrage nach KI-Serverlösungen. Da KI-Modelle immer größer und komplexer werden, benötigen sie nicht nur GPU-Leistung, sondern auch immer leistungsfähigere CPUs für Datenverarbeitung, E/A und Orchestrierung. Die DGX-Serie von NVIDIA kombiniert bereits GPUs mit Intel-CPUs, aber diese Intel-NVIDIA-Allianz geht noch weiter und kombiniert die Stärken für maximale Effizienz.

Der Marktdruck treibt die Intel-NVIDIA-Allianz an
Dieser strategische Schwenk ist eine direkte Reaktion auf einige wichtige Marktzwänge:
- AMDs Aufstieg: AMD, Intels wichtigster CPU-Konkurrent, hat mit seinen EPYC-Prozessoren einen bedeutenden Vorstoß in den Servermarkt unternommen und bietet eine überzeugende Mischung aus Kernzahl, Leistung und Preis.
- Die Dominanz von TSMC: Die Taiwan Semiconductor Manufacturing Company hat sich in der Fertigungstechnologie einen Vorsprung verschafft, so dass die interne Foundry von Intel nicht mehr mithalten kann. Dies veranlasste NVIDIA, sich für seine fortschrittlichen Chips auf TSMC zu verlassen.
- Das KI-Rennen: Exponentiell wachsende KI-Workloads erfordern mehr Rechenleistung, als ein einzelnes Unternehmen allein bereitstellen kann. Die Nachfrage nach Rechenleistung wächst exponentiell und übersteigt bei weitem die Möglichkeiten eines einzelnen Unternehmens, sie zu befriedigen.
Tech Deep Dive: Wie die Allianz Rechenzentren umgestalten wird

Bei KI- und HPC-Workloads kommt es häufig zu Engpässen bei der Datenübertragung zwischen CPUs und GPUs. Die neue Intel-NVIDIA-Partnerschaft behebt dieses Problem durch eine engere und direktere Integration. Bei dieser Partnerschaft geht es nicht um ein einzelnes Produkt, sondern um eine neue Architektur für die Zukunft des Computings. Der Kern dieser Zusammenarbeit liegt in zwei Schlüsselbereichen:
- Optimierte CPU-GPU-Integration: Bei KI- und HPC-Workloads ist der Leistungsengpass oft nicht die GPU selbst, sondern die Datenübertragung zwischen CPU und GPU. Derzeit müssen die Daten über den PCIe-Bus übertragen werden, der zwar schnell ist, aber Latenzzeiten verursachen kann. Die neue Allianz zielt darauf ab, dieses Problem durch eine engere, direktere Integration zu lösen.
- Intel wird spezielle x86-CPUs entwickeln, die speziell für die Zusammenarbeit mit den GPU-Plattformen von NVIDIA optimiert sind. Dies geht über eine einfache Kompatibilität hinaus. Diese CPUs werden wahrscheinlich Folgendes beinhalten:
- Verbesserte E/A-Fähigkeiten zur Verarbeitung der massiven Datenströme, die für das Training großer Sprachmodelle erforderlich sind.
- Optimierte Speicher-Controller, um den Systemspeicher für GPU-gebundene Aufgaben effizienter zu verwalten .
Tiefere Integration mit NVIDIAs NVLink- und NVSwitch-Technologien, die eine schnellere Kommunikation nicht nur zwischen CPU und GPU, sondern auch zwischen mehreren GPUs innerhalb eines Server-Racks ermöglichen.
Modulare Chiplet-Architektur mit Foveros

Intels fortschrittliche Gehäusetechnologie, bekannt als Foveros, wird das Spiel verändern. Mit dieser Technologie können verschiedene Chip-"Kacheln" oder "Chiplets" in einem einzigen Gehäuse gestapelt und miteinander verbunden werden. Diese Allianz könnte Foveros nutzen, um zu kombinieren:
- Ein von Intel entwickelter CPU-Chip, der in Intels eigenem Fertigungsprozess hergestellt wird.
- Ein von NVIDIA entwickelter GPU-Die, der mit dem fortschrittlichen Prozess von TSMC hergestellt wird.
Dieser "Best of both worlds"-Ansatz bedeutet, dass ein einziger, integrierter Chip die Rechenleistung einer erstklassigen Intel Xeon CPU und die parallelen Verarbeitungsfähigkeiten eines NVIDIA Tensor Core GPU bieten könnte. Dies würde eine neue Klasse von Server-Prozessoren schaffen, die von Grund auf für hybride Arbeitslasten optimiert sind.
Auswirkungen für Hosting- und Cloud-Anbieter

Für Betreiber von Rechenzentren und Hosting-Anbieter sind die Auswirkungen dieser Partnerschaft tiefgreifend und äußerst positiv.
- Noch nie dagewesene Leistung: Hosting-Anbieter werden bald Zugang zu Servern mit einer neuen Klasse von Prozessoren haben, die von Natur aus effizienter für KI- und HPC-Workloads sind. Dadurch können sie leistungsfähigere virtuelle Maschinen und Bare-Metal-Server anbieten, mit denen Kunden komplexe Simulationen ausführen, hochauflösende Grafiken rendern oder große KI-Modelle in einem Bruchteil der Zeit trainieren können. Diese höhere Leistung führt direkt zu niedrigeren Kosten für die Kunden und höheren Gewinnspannen für die Anbieter.
- Vereinfachte Infrastruktur: Die tiefe Integration von Intel- und NVIDIA-Technologien wird die Verwaltung von Server-Racks vereinfachen. Anstatt Systeme mit separaten Komponenten feineinstellen zu müssen, können Anbieter voroptimierte und zertifizierte Systeme einsetzen. Dies reduziert die Komplexität, senkt das Risiko von Konfigurationsfehlern und vereinfacht die Wartung.
- Verbesserte Skalierbarkeit und Effizienz: Durch die Verbesserung der Kommunikation zwischen CPUs und GPUs können Rechenzentren eine bessere Auslastung ihrer Hardware erreichen. Das bedeutet, dass mit der gleichen Anzahl von Servern mehr Rechenarbeit geleistet werden kann, was zu erheblichen Energieeinsparungen und einer geringeren CO2-Bilanz führt. Für einen Hosting-Anbieter wirkt sich dies direkt auf das Endergebnis aus, da der Stromverbrauch einen großen Teil der Betriebskosten ausmacht.
- Neue Service-Angebote: Diese Technologie wird neue und spezialisierte Hosting-Dienste ermöglichen. Anbieter können dedizierte "AI-as-a-Service"-Plattformen, Hochleistungs-Rendering-Farmen oder Forschungscomputer-Cluster schaffen, die im Vergleich zu den derzeitigen allgemeinen Cloud-Angeboten eine höhere Leistung bieten.
Der Weg in die Zukunft
Die Partnerschaft zwischen Intel und NVIDIA ist ein mutiger Schritt, der eine neue Realität im Technologiesektor signalisiert: Zusammenarbeit ist der Schlüssel zur Eroberung der nächsten Grenze der Datenverarbeitung. Sie ist ein Beweis dafür, dass selbst die schärfsten Konkurrenten eine gemeinsame Basis finden können, wenn sie mit einer so großen Chance wie der KI-Revolution konfrontiert werden.
Für die Betreiber von Rechenzentren ist die Botschaft klar: Die Zukunft des Hostings besteht nicht nur aus mehr Kernen oder mehr RAM. Es geht um die intelligente Integration von Komponenten auf grundlegender Ebene, um ein Ökosystem mit unvergleichlicher Leistung und Effizienz zu schaffen. Diese Allianz ist nicht nur eine Reaktion auf den Druck des Marktes, sondern ein proaktiver Schritt zum Aufbau der nächsten Generation von Computing-Infrastrukturen.
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